E+E Vorhaben

Das Projekt

Erprobung und Entwicklung von Artenhilfsmaßnahmen für Fledermäuse im Rahmen energetischer Gebäudesanierungen

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Was sind E+E-Vorhaben?

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) sind vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderte Praxisprojekte. Ziel ist die Ausarbeitung innovativer Ansätze im Bereich des Naturschutzes. Das FLAUSBAU-Projekt ist Teil dieses Programms und erprobt praxistaugliche Lösungen für den Fledermausschutz bei energetischen Gebäudesanierungen.

Hintergrund des Projektes

Viele Fledermausarten nutzen von Menschen geschaffene Strukturen wie Dachstühle oder Fassaden als Ersatz für natürliche Quartiere. Im Siedlungsbereich sind Gebäude daher zentrale Fortpflanzungs- und Ruhestätten für Fledermäuse. Besonders Altgebäude bieten durch Spalten im Mauerwerk, hinter Verkleidungen oder im Dachbereich vielfältige Quartiermöglichkeiten. Diese sind oft nicht einsehbar und bleiben ohne eine gezielte Suche nach Fledermausquartieren häufig unentdeckt.
 
Über 70 % der Gebäude in Deutschland sind Altbauten, die vor 1980 erbaut wurden. Sie bieten mitunter aufgrund der alten Bausubstanze Quartiere für Fledermäuse. Dieses Quartierangebot nimmt jedoch rapide ab: Im Zuge der energetischen Sanierung – die bereits rund ein Drittel dieser Gebäude betrifft – gehen viele bestehende Quartiere verloren. Ein zentrales Problem ist, dass energetische Sanierungen in der Regel nicht meldepflichtig sind. Ohne eine behördlich verfügte Prüfung der Gebäude auf Fledermausvorkommen und – quartiere werden bestehende Fledermausquartiere nicht erkannt und im Zuge der Bauarbeiten zerstört. Wird jedoch ein Fledermausvorkommen identifiziert, können Maßnahmen zum Erhalt oder zur Schaffung von alternativen Ruhestätten ergriffen werden. Oft ist privaten Bauherr*innen der gesetzliche Schutz von Fledermäusen unbekannt. Daher werden diese Maßnahmen in der Praxis selten durchgeführt.

Neubauten bieten selten Quartiere, und bei sanierten Bestandsgebäuden gehen sie häufig verloren. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen besteht das Risiko, dass Bestände gebäudebewohnender Fledermausarten in Zukunft deutlich zurückgehen und sie lokal verschwinden. Genau hier setzt das Projekt FLAUSBAU an.

Projekt-Fahrplan

Das Projekt startete im September 2025 und ist auf sechs Jahre angelegt. Es gliedert sich in eine dreijährige Entwicklungs- und Erprobungsphase bis 2028 (Phase 1 und Phase 2). In diesem Zeitraum werden die Quartierlösungen entwickelt, technisch optimiert und in ersten Anwendungen erprobt.

Im Anschluss folgt ein mehrjähriges wissenschaftliches Monitoring (Phase 3). In dieser Phase werden die entwickelten Systeme unter realen Bedingungen im Rahmen eines deutschlandweiten Monitorings untersucht und ausgewertet werden. Ziel dieser Phase ist es herauszufinden, ob Fledermäuse die künstlichen Quartierlösungen nutzen.

2025-2027 Aktuell

Phase eins

In dieser Phase werden gemeinsam mit Expert*innen erste WDVS-Module mit integrierten Fledermausquartieren entwickelt, die sowohl ökologische als auch bautechnische Anforderungen erfüllen. Parallel wird eine Sensorik zur automatisierten Erfassung von Fledermausbesatz konzipiert.

Die entwickelten Fledermauskästen werden an fünf Standorten in Deutschland installiert und unter realen Bedingungen getestet. Ziel ist die Bewertung ihrer Eignung als Alternativquartiere sowie die technische Prüfung der integrierten Sensorik. Geeignete Module werden anschließend weiterentwickelt und deutschlandweit getestet.

2027-2028

Phase zwei

Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Phase werden die WDVS-Module mit integrierten Quartieren bundesweit in größerem Maßstab eingesetzt und in reale Sanierungsprojekte integriert.

Der standardisierte Einbau der Sensorik ermöglicht ein systematisches Monitoring der Quartiernutzung unter unterschiedlichen Standort- und Gebäudebedingungen. So werden belastbare Daten darüber gewonnen, welche Quartiertypen von welchen Fledermausarten genutzt werden.

2028-2031

Phase drei

In der dritten Phase erfolgt ein weiterführendes wissenschaftliches Monitoring durch das Leibniz-IZW. Dabei wird systematisch erfasst, wie sich der Besatz der ausgebrachten Kästen aus der Phase zwei durch Fledermäuse langfristig entwickelt.

Das Ziel ist es, evidenzbasierte Aussagen zur Nutzung der Kästen treffen zu können und einen Leitfaden mit Empfehlungen für deren Anwendung zu veröffentlichen.

Ziel des Projektes

Moderne und zu sanierende Gebäude bieten viel Potenzial, um Tieren einen Lebensraum zu bieten. Besonders Fledermäuse könnten von dem Erhalt vorhandener Quartiere und der Schaffung zusätzlicher Quartiere profitieren. Allerdings ist weitgehend unbekannt, ob die aktuell verwendeten Ersatzquartiere von Fledermäusen genutzt werden und sie sich problemlos und sicher in die modernen Fassadenkonstruktionen einbauen lassen.

Unser Projekt entwickelt deshalb innovative, anpassbare Fledermausquartiere, die speziell für den Einbau in Gebäudefassaden konzipiert sind. Sie werden nicht nur von Artenschutzexperten bewertet, sondern auch nach strengen DIN-Normen zertifiziert und sollen sich kostengünstig in Neubauten und Sanierungen einbauen lassen.

Und das ist noch nicht alles: Wir entwickeln eine intelligente Sensorik, die automatisch und langfristig erfasst, wie die Fledermäuse die Quartiere nutzen. So entsteht ein Quartier-Einheit, die als Vorbild für zukünftige Artenschutzmaßnahmen in der Baubranche dienen kann.

Wir verstehen Fassaden als Lebensräume. Unser Ziel ist es daher, dieses Verständnis zu fördern und Lösungen zu etablieren, die eine energieeffiziente Gebäudesanierung unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Fledermausschutzes ermöglichen. So verbinden wir Klimaschutz und Biodiversität, um zu zeigen, wie wir mit der gebauten Umwelt zum Erhalt gefährdeter Arten wie Fledermäusen beitragen können.

GebäudefledermÄuse

Fledermausportraits

Die meisten in Deutschland heimischen Fledermausarten nutzen Gebäude sowohl als Sommer- als auch als Winterquartiere. Dabei besiedeln einige Arten offene Strukturen, wie Dachstühle, während andere enge Spalten bevorzugen. Speziell für die spaltenbewohnenden Arten sollen im Rahmen von FLAUSBAU zukunftsfähige Quartiere geschaffen werden. Lernen Sie die Fledermäuse kennen, die von FLAUSBAU profitieren.

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Zwergfledermaus

Zwergfledermaus

Pipistrellus pipistrellus

Zwergfledermaus

Zwergfledermaus

Pipistrellus pipistrellus

Die kleinste und leichteste Fledermaus Deutschlands

Sie ist kleiner als eine Streichholzschachtel und so schwer wie ein Zwei-Cent-Stück. Außerdem benutzen sie sehr viele verschiedene Quartiere und ziehen ca. alle zwei Wochen um, was das Monitoring sehr erschwert.

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Breitflügelfledermaus

Breitflügelfledermaus

Eptesicus serotinus

Breitflügelfledermaus

Breitflügelfledermaus

Eptesicus serotinus

Die Beständige und Robuste

Die Breitflügelfledermaus ist eine standortreue Fledermaus. Sie fällt außerdem durch ihren großen kräftigen Körper und ihr Gebiss auf. Sogar große Maikäfer kann sie damit als Nahrung erbeuten.

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Großer Abendsegler

Großer Abendsegler

Nyctalus noctula

Großer Abendsegler

Großer Abendsegler

Nyctalus noctula

Der Langstreckenzieher

Der Große Abendsegler ist eine Wanderfledermaus, die teilweise bis zu 1.500 km zu ihren Winterquartieren zurücklegt. Wie viele Vögel zieht sie im Winter in wärmere Gefilde um.

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Mückenfledermaus

Mückenfledermaus

Pipistrellus pygmaeus

Mückenfledermaus

Mückenfledermaus

Pipistrellus pygmaeus

Der „Zwilling“ der Zwergfledermaus

Nicht ganz so klein und leicht wie die Zwergfledermaus jedoch sehr leicht mit ihr zu verwechseln. Die beiden lassen sich optisch nur anhand sehr feiner Merkmale unterscheiden.

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Kleine Bartfledermaus

Kleine Bartfledermaus

Myotis mystacinus

Kleine Bartfledermaus

Kleine Bartfledermaus

Myotis mystacinus

Die Lebhafte

In Deutschland gibt es drei Bartfledermäuse, die auch für Expert*innen nicht einfach zu unterscheiden sind. Die kleine Bartfledermaus ist für ihre Lebhaftigkeit bekannt und lässt sich von Forscher*innen gar nicht gerne untersuchen.

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Braunes Langohr

Braunes Langohr

Plecotus auritus

Braunes Langohr

Braunes Langohr

Plecotus auritus

Die Sympathische

Durch ihr Lächeln, ihre großen Augen und ihre großen Ohren gelten die Langohren als Sympathieträger. Doch die Ohren haben auch einen Nutzen. Mit Ihnen können sich die Langohren auch mit sehr leisen Rufen orientieren.

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Zweifarbfledermaus

Zweifarbfledermaus

Vespertilio murinus

Zweifarbfledermaus

Zweifarbfledermaus

Vespertilio murinus

Die Gesellige

Die Zweifarbfledermaus zeichnet sich nicht nur durch ihre deutliche Färbung aus. Geselligkeit steht bei Ihnen auch bei den sonst eher solitären Männchen an der Tagesordnung. Es sind teils 300 Männchen gleichzeitig in Quartieren anzutreffen.

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Beschreibung

Beschreibung des Projektes

Unter Berücksichtigung artenschutz- und baurechtlicher Vorgaben werden in enger Zusammenarbeit mit Vertreter:innen aus Behörden, Bauwesen, Wissenschaft und spezialisierten Gutachterbüros innovative Quartierlösungen für Fledermäuse entwickelt. Diese werden direkt in Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) integriert und im Rahmen eines mehrjährigen Monitorings deutschlandweit erprobt.

Für Hausbesitzer*innen

Haussanierung & Fledermausschutz

Ja, sämtliche Fledermäuse in Deutschland sind laut § 7 des Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt, da sie im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie gelistet sind. Laut § 44 Bundesnaturschutzgesetz (1) dürfen wild lebende Exemplare der streng und besonders geschützten Arten nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Fortpflanzungs- und Ruhestätten dieser Arten nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. § 44 BNatschG (1) 2. besagt außerdem, dass auch Fledermäuse, da sie zu den streng geschützten Arten gehören, während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeit nicht erheblich gestört werden dürfen.

Ja, aufgrund des strengen Schutzes aller Fledermäuse laut Bundesnaturschutzgesetz und der damit eingehenden Tötungs- und Störungsverbote ist bei Sanierungen immer sicherzustellen, dass diese Verbote nicht missachtet werden.

Positiver Fledermausbesatz kann grundsätzlich durch Ausflugs- oder Schwärmkontrollen auch selbst festgestellt werden. Es wird jedoch geraten, stets eine Fachperson zu Rate zu ziehen. Spätestens für die Sicherstellung, dass weder Tötungs- noch Störungsverbote erfüllt werden, ist eine artenschutzfachliche Beurteilung unabdinglich.

Sanierungsvorhaben sind oft teure Projekte, weshalb gerade für Privatpersonen alle zusätzlichen Kosten ein Belastung sein können. Anteilsmäßig machen jedoch artenschutzrechtliche Prüfungen und Maßnahmen nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Für Kosten, die nur auf artenschutzrechtliche Verpflichtungen zurückzuführen sind, gibt es außerdem Förderungen durch die KfW oder landeseigenen Behörden, wie z.B. untere und obere Naturschutzbehörden.

Video

Seltene Einblicke

Sehen Sie unsere fliegenden Nachbarn – Fledermäuse – einmal aus nächster Nähe