Gebäude werden saniert, um Energie zu sparen und das Klima zu schützen. Das ist wichtig. Doch für Fledermäuse kann genau das zum Problem werden. Viele Arten nutzen Spalten und Hohlräume an Gebäuden als Quartiere. Werden diese bei Sanierungen verschlossen oder entfernt, verlieren die Tiere ihre Rückzugsorte – oft dauerhaft.
Genau hier setzt FLAUSBAU an: Artenhilfsmaßnahmen für Fledermäuse im Rahmen energetischer Gebäudesanierungen.
Warum Fledermäuse besonderen Schutz brauchen
In Deutschland sind alle Fledermausarten streng geschützt. Sie sind auf Quartiere angewiesen, die sie zum Beispiel als Ruhestätte, zur Jungenaufzucht oder zur Überwinterung nutzen. Gebäude ersetzen dabei für viele Arten natürliche Höhlenstrukturen. Gehen diese Quartiere durch Bau- oder Sanierungsmaßnahmen verloren, kann das erhebliche Auswirkungen auf lokale Fledermauspopulationen haben. Das Gesetz schreibt deshalb vor, dass bei einem dauerhaften Verlust geeignete Ersatzmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Diese sollen sicherstellen, dass die sogenannte kontinuierliche ökologische Funktion (CEF) des ursprünglichen Quartiers erhalten bleibt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Fledermausquartiere bei energetischen Sanierungen häufig nicht systematisch erfasst werden. Zudem wird der Erfolg von Ersatzquartieren nur selten überprüft.
Von der Forschung zur Anwendung: der Weg von FLAUSBAU
Dem Projekt FLAUSBAU ging zunächst ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E) voraus. Dieses zeigte deutlich, dass der Fledermausschutz im Zusammenhang mit energetischen Gebäudesanierungen bislang nur unzureichend untersucht ist und belastbare wissenschaftliche Grundlagen fehlen. Darauf aufbauend wurde die FLAUSBAU-Pilotphase als Teil eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E) durchgeführt. F+E sowie E+E-Vorhaben wurden vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.
Was in der Pilotphase untersucht wurde
Im Rahmen der Pilotphase wurden nationale und internationale Beispiele zum Umgang mit gebäudebewohnenden Fledermäusen bei energetischen Sanierungen recherchiert. Ergänzend dazu wurden strukturierte Umfragen unter Umweltbehörden, Planungsbüros, Umweltverbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt. Insgesamt wurden über 400 Personen kontaktiert, mehr als 250 Fachleute aus Deutschland und dem Ausland nahmen an der Umfrage teil. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Fledermausschutz wird bei energetischen Sanierungen bislang nur unzureichend berücksichtigt. Gleichzeitig besteht eine hohe Bereitschaft, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Lösungen umzusetzen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Prüfung von Methoden zur Erfolgskontrolle von Ersatzquartieren. Verschiedene Erfassungs- und Monitoringverfahren wurden getestet und miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass keine einzelne Methode alle Anforderungen erfüllt. Für ein zuverlässiges Monitoring ist vielmehr eine Kombination mehrerer Verfahren notwendig.
Grundlage für das Hauptvorhaben
Die Pilotphase bildet die fachliche und konzeptionelle Grundlage für das Hauptvorhaben. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Prüfung modularer Fledermausquartiere, die direkt in Wärmedämmverbundsysteme integriert sind. Diese Systemlösungen sollen sowohl bautechnischen als auch artenschutzfachlichen Anforderungen gerecht werden und durch ein standardisiertes Monitoring wissenschaftlich begleitet werden. Ziel ist es, praktikable, rechtssichere und wirksame Lösungen zu entwickeln, die Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor mit dem langfristigen Erhalt von Fledermauspopulationen verbinden.